ELiT 2013

Schloß Hainfeld

Autoren


 

Europäische Literaturtage 2011

Vom 10. bis 25. Septemer 2011 wird die Wachau im nördlichen Österreich zum Zentrum der europäischen Literatur.

 

  

 

Mit den Europäischen Literaturtagen wird der Kerngedanke von readme.cc, der länderübergreifende literarische Austausch, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
In einem einzigartigen Ambiente treffen sich Autoren, Musiker, Wissenschafter, Journalisten und Kulturverantwortliche zum Dialog.

Die Europäischen Literaturtage finden zum drittten Mal statt. Die Europäischen Literaturtage 2011 stehen unter dem Ehrenschutz des Landeshauptmannes von Niederösterreich Dr. Erwin Pröll.


Themen

Dies sind die Themen 2011.

 

1

Europa - eine Kultur am Rande der Welt?

Der französische Journalist Frédéric Martel behauptet, Europa sei gerade im Begriff, an den Rand der Welt gedrängt zu werden. Die global zirkulierende Kultur der Massen bringe zwei Gewinner mit sich: die USA und nachfolgend die Schwellenländer China, Indien, Brasilien sowie die Golfstaaten.
Verlierer macht Martel zwei aus: die Länder des Südens und Europa. Die Nachteile Europas sieht er in der Aufteilung in nationale Binnenmärkte, einem veralteten Kulturbegriff, der sich als historisch, nicht-kommerziell, und oft als elitär begreift und dabei den Mainstream ausgrenzt so wie in der Tatsache, dass es in Europa keine gemeinsame Kultur gibt.
Ganz anders der Tenor der Vorträge bei den bisherigen Europäischen Literaturtagen, den Jürgen Ritte auf den Punkt bringt: „Dieser alte Kontinent hat seine in Jahrhunderten erprobten Überlebensreflexe nie verlernt, er hat sie sogar verfeinert, hat seine internen Konkurrenzen zum Motor für gemeinsamen Fortschritt entwickelt und sich dabei zunehmend pazifiziert“. Demnach leben wir in Europa nach wie vor im Wohnzimmer dieser Welt, und Produktivität und Inventivität dieser Gesellschaften sind, bei relativ gerechten Sozialverhältnissen immer noch uneinholbar weit vor dem gelegen, was der Rest der Welt zu bieten hat.
Eine andere Frage ist, wie Europa mit anderen Kulturen umgehen will. Laut Mathias Enard und Jürgen Ritte ist Europa immer eine formidable Assimilationsmaschine gewesen. In die Randständigkeit zu geraten wird Europa nur, wenn es den Ist-Zustand auf alle Ewigkeiten einfrieren will und sich abschottet. Dann wären es, zum ersten Mal, der Verlierer der Geschichte.
Wenn Europa kein Kampfbegriff ist, keine fest stehende Entität, dann wohl (Jürgen Ritte) „ein Teig, der immer weiter aufgeht, je mehr Ingredienzen wir hineinwerfen. Die Türken, die Nordafrikaner, die Chinesen sind die Kartoffeln, Tomaten des nächsten Jahrhunderts. Verweigern wir diese Ingredienzien, werden wir in der Tat hungern, darben, randständig und - zuletzt - sterben.“
Haben die Literaturen der Welt mit ihrem Wissen vom Zusammenleben nach wie vor Anteil an einem Prozess der Aufklärung und Selbstkritik oder sind sie nur mehr Rädchen im Getriebe einer globalisierten Kulturindustrie? Worauf soll die literarische Öffentlichkeit ihren Blick wenden – auf die Literaturen der Einwanderungsländer?


2

Hinter den Kulissen des Übersetzungsmarktes?

Die für diese Diskussion von Rüdiger Wischenbart vorgestellte Studie „The Diversity Report 2010" zeigt anhand von 200 europäischen AutorInnen, wie der Übersetzungsmarkt in Europa funktioniert. Die Verteilung von Übersetzungen zwischen den unterschiedlichen Sprachen und Sprachräumen ist kein ausgeglichenes Spielfeld, sondern gleicht einer Kaskade. Wenige Sprachen dominieren. Als sogenannte Transfersprachen, also Sprachen, die als Verteilerkreise Übersetzungen in weiteren Sprachen auf den Weg bringen, taugen allein Englisch, Deutsch und Französisch. Und dennoch: die literarische Landkarte zeigt deutlich, wie sehr Geschichten überwiegend aus einem sehr konkreten, lokalen Umfeld heraus wachsen, dann aber oft ein weit darüber hinaus reichendes Publikum finden können. Was indessen fehlt, beziehungsweise nur sehr ungenügend funktioniert ist eine Vielfalt der Übermittlungskanäle für diese Geschichten und ihre Autoren. Dabei geht es nicht nur um Geld und Förderungen, um finanzielle wie wohlmeinende Unterstützung für Übersetzungen, sondern mehr noch um die Überwindung von Scheuklappen: Wir wissen viel zu wenig von der Vielzahl der spannenden Geschichten, die hier und dort geschrieben und auch gelesen werden, wenn auch bislang oft nur im Ursprungsland der Autoren. Aber die häufig genug ebenso erstaunlichen wie ungeplanten Erfolge dieser Geschichten machen deutlich, dass bei den Lesern die Neugierde viel größer ist, als es der "Markt" und die Medien wahrhaben wollen.


3

Echte Menschen lesen virtuelle Bücher. Der digitale Buchmarkt hier und jetzt?

Drei Impulsreferate über Projekte der aktuellen Digitalisierung des Buchmarktes (Penguin Books), der europäischen Bibliotheksbestände (Google und Europeana) und der Experimentierfreudigkeit von kleinen Unternehmen (Libroid) zeigen die Veränderungen im Literaturbetrieb.
Wenigstens zwei fundamentale Dinge sind im Zeichen der digitalen Bücher radikal neu zu verstehen: Das Angebot an Büchern richtet sich nicht entlang der Grenzen aus, die der Buchhandel im eigenen Land gerade für angemessen hält. Vielmehr konkurriert jede einzelne Ausgabe direkt - über nur einen Mausklick - mit allen anderen, in allen Sprachen erschienenen Ausgaben eines Buchs. Das beschränkt sich nicht allein auf eBooks, sondern gilt längst auch für Papierbücher, wie Leser, Verlage und Buchhändler in Ländern wie den Niederlanden, Schweden, aber auch Slowenien oder Rumänien längst herausgefunden haben. Viele sehen bereits den Zug zur Zweisprachigkeit beim gebildeten Lesepublikum, das locker und entspannt zwischen der Muttersprache und dem englischen Angebot hin und her wechselt. Zum anderen explodiert das Angebot verfügbarer Titel nach allen Richtungen. Google hat nun den Auftakt für sein eigenes digitales Buchvertriebsprogramm "Google eBookstore" (zuvor unter dem Titel "Google Editions angekündigt) mit der satten Ansage lanciert, dass hier 3 Millionen Bücher zur Auswahl stehen. Die enorme Startzahl resultiert aus den umfangreichen rechtefreien Bibliotheksbeständen, die Google seit Jahren einscannt. Für die Leser (und den Buchhandel) aber bedeutet dies, dass mit einem Schlag eine Buchhandlung den (Internet-) Marktplatz betritt, die gleich auch eine der größten Bibliotheken mitbringt, für die Konsumenten großteils auch noch zum Nulltarif. Aus bislang einigermaßen fein säuberlich getrennten Bereichen, also Buchhandel, Antiquariate und Bibliotheken, ist mit einem Schlag ein ebenso großes wie erst einmal ziemlich verwirrendes Spielfeld geworden.
Das kürzliche Scheitern des Google Books Settlement hat zu Unrecht Begeisterung in der europäischen Literaturszene ausgelöst: Untergegangen im Jubel über die Zurückweisung, gerade auch in Europa, ist nämlich der Umstand, dass der Schlichtungsvorschlag im Einvernehmen mit den amerikanischen Branchenorganisationen, also mit Verlagen und Autoren, ausgehandelt worden war. Von den zwölf Millionen von Google digitalisierten Bänden sind zahllose längst rechtefrei, weil von Urhebern, die siebzig oder mehr Jahre tot sind. Das eigentliche Problem, auch bei Streit und Settlement, sind indessen die ebenfalls vielen Millionen "verwaisten" Werke, für die sich ein klarer Rechteinhaber so einfach nicht ermitteln lässt, die aber, weil jüngeren Datums, durchaus ihre Leserschaft haben. Es ist alles kompliziert und unübersichtlich. Denn sowohl Verlage wie auch Autoren - und selbstverständlich Google - haben ein erhebliches Interesse daran, aus der Ungewissheit herauszukommen und ordentliche Rahmenbedingungen, und damit auch Rechtssicherheit, zu erlangen, um die zahllosen Bestände von Büchern, die erschienen - doch vergriffen - sind, zu verwerten, also daraus Nutzen zu ziehen, fürs eigene Geschäft und für die Lesenden.
Ohne eine saubere Trennung in eine gerichtliche Überprüfung und in eine nötige gesetzliche Anpassung des Urheberrechts wird es mit Blick auf die digitale Zukunft nicht gehen. Es gilt eine Balance herzustellen zwischen den legitimen Ansprüchen der Rechteinhaber und der Verlage einerseits, und der Erschließung auch der zahllosen "verwaisten" Bücher andererseits.
Könnte hier nicht den Europäern eine zentrale Rolle zukommen, nicht im Showdown mit Google, sondern als Wegweiser zum Nutzen der Lesenden, der Autoren und der Verlage?

 

 

 

Donauforum 2011

Das Donauforum der Europäischen Literaturtage 2011 - Lesen im digitalen Dorf

Hervorgegangen und entwickelt aus den Erfahrungen der ersten beiden Europäischen Literaturtage, wird am 24. September 2011 in Schloss Spitz/ Wachau das Donauforum als künftig jährlich stattfindende Konferenz der Europäischen Literaturtage begründet. Im Donauforum diskutieren internationale Autoren und Literaturvermittler aktuelle Themen der Literatur im europäischen Kontext und vor dem Hintergrund der Globalisierung des Buch- und Medienmarktes. Im Blickfeld stehen die gesellschaftspolitische Dimension von Literatur, ihre Vermittlung über Sprachgrenzen hinweg, die dabei zukommende Rolle der elektronischen Medien und die Idee eines europäischen Literaturbetriebs.

Den Teilnehmern des Donauforums sind die jährlichen Schwerpunktthemen schon im Voraus in einem Internetforum einsehbar und werden bei der Veranstaltung in Schloss Spitz durch Impulsreferate konkretisiert. Ein Dolmetschdienst bei der Veranstaltung ermöglicht eine Gesprächsteilnahme auf Deutsch und auf Englisch. Die Diskussionen werden dokumentiert, die Teilnehmer führen sie im Internet weiter. Die Ergebnisse der Konferenz werden schließlich in einem ebook auf readme.cc publiziert.

Die Mitwirkung am Donauforum steht Interessierten offen (nach erfolgter Anmeldung und soweit Plätze frei sind).


Programm 2011 - Lesen im digitalen Dorf

Sa. 24.9. 2011
Schloss Spitz
9 Uhr 30 bis 16 Uhr

Leitung und Moderation: Rüdiger Wischenbart, Journalist Wien

9 Uhr 30
Echte Menschen lesen virtuelle Bücher. Teil 1

Praktische Erfahrungen mit ebooks
Impulsreferat und Präsentation einer Studie über digitale Leseerfahrungen mit österreichischen Studierenden durch Rüdiger Wischenbart

Literatur-Apps - mehr als ein Buch
Präsentationen von Apps
Jürgen Neffe, Libroid Hamburg
Christopher Frahm, Agentur artundweise Bremen

11 Uhr 30
Hinter den Kulissen des Übersetzungsmarktes

Diversity Report 2011 – Welche europäischen Autoren werden übersetzt und welche nicht?
Vorstellung der Studie durch Rüdiger Wischenbart und
Yana Genova, Next Page Foundation Sofia

Bücher im Globalen Dorf, zum Beispiel Belgrad. Erfahrungsberichte zu online-bookshops, online-Schreiben, online-Lesen
Alexander Drakulic, Knjizara.com Belgrad
Barbi Markovic, Autorin Belgrad

12 Uhr 30
Mittagessen

13 Uhr
Echte Menschen lesen virtuelle Bücher. Teil 2: Der digitale Buchmarkt hier und jetzt
Impulsreferate von
Max Kaiser, Google Projekt Österreichische Nationalbibliothek
Nathan Hull, Penguin Books London
Miha Kovac, Universität Ljubljana, and Verleger der Mladinska knjiga group

15 Uhr
Die nächsten Fragen
Die Teilnehmer schlagen Themen vor, die sie als besonders dringend zu besprechen erachten. Aus dieser Debatte entsteht das Donauforum 2012.


Teilnehmer:

Uwe Schuette, Aston Universität Birmingham; Lucien Leitess, Unionsverlag Zürich; Jürgen Ritte, Sorbonne Nouvelle Paris; Hana Stojic, Traduki Sarajewo; Heinrich von Berenberg, Berenberg Verlag Berlin; Rainer Moritz, Literaturhaus Hamburg; Heike Müller, Literaturhaus Bremen; Christopher Frahm, Agentur artundweise Bremen; Dieter Sperl, Autor Wien; Indra Wussow, Kunstquelle Sylt; Jurij Andruchowytsch, Autor Kiev; Tarik Bary, Ain Shams Universität Kairo; Altaf Tyrewala, Autor Mumbai/ India; Katharina Narbutovic, Berliner Künstlerprogramm des DAAD; Hans Koch, Universität of Wuppertal; Sjón, Autor Reykjavík; Gwendoline Riley, Autorin Manchester; Silke Hassler, Autorin Retz; Peter Turrini, Autor Retz; Claus Beck-Nielsen, Autor Copenhagen; Barbi Markovic, Autorin Belgrad; Dana Grigorcea, Autorin Zürich; Beat Mazenauer, Netzwerker Luzern; Finn Ole Heinrich, Autor Hamburg; Jürgen Neffe, Autor Hamburg; Jagoda Marinic, Autorin Heidelberg; Perikles Monioudis, Autor Zurich; Katja Lange-Müller, Autorin Berlin; Anne Zauner, Literaturhaus Wien; Gesine Boesken, Universität Köln; Miha Kovac, Mladinska knjiga Verlag Ljubljana, Yana Genova, Next Page Foundation Sofia; Alexander Drakulic, Knjizara.com Beograd; Peter Inkei, The Budapest Observatory; Martin Scharfe, volksLesen.tv Berlin