ELiT 2013

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ELIT 2013 - General Theme

Über die Grenzen der Literatur

Die Europäischen Literaturtage 2013 werfen Blitzlichter auf neue Formen des Erzählens, die gegenwärtig in einigen großen europäischen Ländern für literarisches Aufsehen sorgen. Genres wie die Graphic Novel oder der Dokumentarroman fordern die traditionelle Literatur heraus. Die Literatur springt im neuen Jahrhundert gewissermaßen auf ein nächstes Level. Autoren, Literaturvermittler, Wissenschafter und Publizisten diskutieren, welche Grenzen Literatur hat, ob sie gegenwärtig überschritten werden, und wie diese Grenzerweiterungen in den verschiedenen Regionen Europas wahrgenommen werden.

Dazu scheinen zwei Bestandsaufnahmen wichtig.

Zum einen: Mit den neuen Medien verändern sich grundlegende Rahmenbedingungen auch für die Literatur. Die Lebensentwürfe von Autoren verändern sich ebenso wie die Beziehungen zwischen Autor und Leser. Wie tragen Lebenskrisen, aber auch gesellschaftliche, politische und technologische Konflikte dazu bei, unser Literaturverständnis zu verändern? Wird dieses Verständnis gegenwärtig erweitert oder gar transformiert? Was wird dabei aus dem Konzept Autorschaft und gelten die neu entwickelten Produkte überhaupt noch als Literatur?

Und zum anderen: Gegenwärtig wird die Kluft zwischen einer Literatur der Reichen und einer der Armen immer größer. Überfluss steht Mangel, überbordende Marketingkultur dem sukzessiven Verschwinden von kritischem Austausch gegenüber. Kulturtransfer in Europa bedeutet in der Hauptsache den Transport nordwestlicher Kulturvorstellungen zu den südöstlichen Rändern unseres Kontinents. Welche Vorstellungen in Bezug auf die aktuellen Entwicklungen gibt es aber an den Rändern Europas, und welche Entwicklungen an den Rändern Europas werden im Zentrum gar nicht wahrgenommen?

Die Europäischen Literaturtage öffnen Fenster zu Tendenzen in der europäischen Gegenwartsliteratur. Mit der besonderen Miteinbeziehung von Autoren und Literaturvermittlern aus den Donauraumländern tun sie dies an einem besonders wunden Punkt des europäischen Integrationsprozesses. Ob der Kleinteiligkeit und Vielsprachigkeit dieser Region mussten nämlich Autoren und Kulturvermittler aus den Donauraumländern von jeher Grenzen überschreiten. Ihr Weg war aber zumeist mit Flucht und Arbeitsmigration verbunden.